Gewusst?

Mich drückt der Schuh

Wusstet ihr eigentlich, dass die konventionelle Schuh- und Lederproduktion immer noch eines der schmutzigsten Geschäfte ist? Ich jedenfalls war schockiert darüber, was Berndt Hinzmann von INKOTA-netzwerk e.V. beim INNATEX Bloggertreffen über die enormen Missstände in diesem Modesektor erzählt hat. Die hochtoxische Chromgerbung ist da nur die Spitze des Eisbergs.

Meine nicht-Fair Fashion Lederstiefel

Mir wurde ganz anders, als der Aktivist vom Leid der Arbeiter, die Tag für Tag den Chemikalien ausgesetzt sind, berichtet hat. Ansonsten komplett in Ethical Fashion gekleidet, hatte ich ausgerechnet zum Bloggertreffen der Messe für nachhaltige Textilien zu meinen alten, nicht-Fair Fashion Lederstiefeln gegriffen. Ich stand quasi auf Ausbeutung, Unterdrückung und Chemikalien. Kein gutes Gefühl!

In den letzten Jahren hat die europäische Schuh- und Lederindustrie ihre Produktion stark nach Asien verlagert. Vor allem nach China und Indien. Trotz des immer härteren globalen Wettbewerbs sprudeln seitdem die Gewinne. Auch deutsche Hersteller profitieren. Leittragende sind die Umwelt und die Arbeiter in den ärmsten Ländern dieser Welt.

Für die Herstellung von Lederschuhen werden Unmengen an wichtigen Ressourcen verbraucht. Zum Beispiel sind für das Gerben von einer Tonne Leder um die 30.000 Liter Wasser nötig. Deshalb liegen viele Gerbereien an Flüssen. In Indien sind die Grundwasservorräte aber ohnehin schon bedrohlich ausgebeutet.

Foto: INKOTA e.V.

Außerdem kommt jede Menge Chemie beim Gerben zum Einsatz. Für eine Tonne Rohhäute ist eine halbe Tonne chemische Substanzen, z.B. Chromsalze, nötig. Dabei fallen ca. 600 kg Feststoffabfälle, wie Fleisch, Lederreste oder Polierstaub, und 15 bis 50 m3 Abwässer an. Abfall, der eigentlich Sondermüll ist, oft aber einfach in Flüsse und auf Felder gekippt wird. Teilweise wird der Dreck sogar an Tiere verfüttert. Erschreckend, dass allein in Indien jährlich schätzungsweise 50.000 Tonnen Feststoffabfälle aus der Chromgerbung anfallen. Neben dem Umweltfaktor sind die Arbeitsbedingungen ein weiterer großer Wehmutstropfen der konventionellen Lederindustrie. Dumping Löhne, keine Kranken- und Altersvorsorge, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken.

Foto: INKOTA e.V.

Oft setzen die Frauen und Männer ihr Leben aufs Spiel, weil sie versuchen so viel wie möglich an einem Tag zu schaffen. Ihr Einkommen ist durch Stücklohn direkt an ihre Produktivität gekoppelt. Oder sie arbeiten für einen Hungerlohn von nicht mal 100 Euro im Monat. Es gibt meistens keine Schutzkleidung für die Arbeiter, die täglich mit blanken Füßen im Gerbsud stehen. Kaum einer von ihnen weiß, wie gefährlich die Substanzen wirklich sind, mit denen sie ständig in Kontakt sind. Hauterkrankungen, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Fieber sind noch die harmlosen Folgen. INKOTA e.V. möchte an den unzumutbaren Arbeitsbedingungen in der Schuh- und Lederproduktion schnell etwas ändern. Gemeinsam mit 17 anderen Organisationen hat der gemeinnützige Verein die Kampagne Change your Shoes ins Leben gerufen. Ziel ist es eine ethische, nachhaltige und transparente Schuhlieferkette zu schaffen.

Information der Konsumenten und Transparenz über Herkunft, verwendete Materialien und Gesundheitsrisiken von Schuhen sind wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg. Denn hätte ich gewusst, was hinter meinen nicht-Fair Fashion Lederstiefeln steckt, hätte ich sie damals sicher im Geschäft gelassen. Voll motiviert habe ich mich bei den Ausstellern der INNATEX dann gleich auf die Suche nach nachhaltigen Schuhen ohne ‚Shame-Faktor‘ gemacht. Welche tollen Marken ich an den Messeständen unter anderem entdeckt habe, könnt ihr hier lesen.

  1. Pingback: Kennt ihr diese grünen Label schon? – green4family

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